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01. Juli 2018
Alexander Luginbühl
Pädagogik

Verabschiedung Daniel Kummer

Letzten Mittwoch haben wir Daniel Kummer aus dem Fachkreis Pädagogik verabschiedet. Wir, Rico Bossard und ich, sind sehr dankbar für dieses Schuljahr 17/18. Die Zusammenarbeit mit Daniel war sehr inspirierend, befruchtend und hat uns ordentlich Schwung für die kommenden Wochen und Monate mitgegeben.

In einem letzten Kraftakt ruderten wir gemeinsam zur Petersinsel, wo wir unsere letzte gemeinsame Pädagogik-Sitzung abgehalten haben.


25. Juni 2018
Gast
Pädagogik,
Christsein

Das Gegenüber als Schatten Gottes

In Platons Höhlengleichnis sind Menschen in einer Höhle gefangen und können ausschliesslich auf eine Wand blicken, an der sich die Schatten der hinter ihnen liegenden Welt abzeichnen. Diese Schatten an der Wand sind die einzige wahrnehmbare Realität für sie. Auf die Vorstellung, dass es mehr gibt als diese Schatten, können sie sich schwer einlassen. Platon spekuliert mit diesem Gleichnis, dass es eine «Ideenwelt» gibt, die Quelle der unmittelbar erfahrbaren Welt ist, und über sie hinausgeht. Die Lebensaufgabe des Menschen ist es, seine beschränkte Sicht auf die blossen Schatten zu erweitern und dann andere aufzuklären.

Eine ähnliche Vorstellung findet sich auch im christlich-jüdischen Weltbild. 3 Beispiele:

  • Die Idee der Gott-Ebenbildlichkeit in Genesis legt dem Menschen nahe, sich selbst als Abbild einer höherdimensionierten Realität zu sehen. Menschen sind einander Schatten Gottes.
  • Paulus schreibt in 1. Korinther 13.12 «Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht…». Dass unsere Erkenntnis Stu?ckwerk ist, liegt nicht an unserer Wahrnehmung, sondern daran, dass die Wirklichkeit uns nur im Spiegel, im Abbild zugänglich ist.
  • Jesus meint ähnliches: «Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben, jenen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil, damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen und hörend hören und nicht verstehen» (Markus 4.11). Das Geheimnis des Reiches Gottes ist den Jüngern gegeben, da sie in Jesus nun nicht mehr bloss einen Schatten Gottes vor sich haben, sondern Gott selbst. Den Menschen aller anderen Orte und Zeiten erschliesst sich das Geheimnis Gottes in Gleichnissen. Jesus ermutigt uns, unseren Alltag auf Gleichnisse hin zu durchsuchen: Der Hirte im Umgang mit seinen Schafen, der Banker im Umgang mit einem Schuldner, der Pädagoge im Umgang mit seinen Schülern.

Christliche Pädagogik meint in erster Linie das Bewusstsein des Pädagogen für eine den zwischenmenschlichen Beziehungen zugrunde liegende geistliche Realität. Und die erste Absicht einer christlichen Pädagogik ist nicht ein positiver Output ins Klassenzimmer, sondern ein positiver Output für die eigene Spiritualität. Der Glaube ist nicht für den Alltag da, sondern der Alltag für den Glauben.

Danilo A., Musiklehrer und Regionalleiter Mittelland des VBG-Bereichs Schule


16. Juni 2018
Rico Bossard
Pädagogik

Lebenswerte Pädagogik

Der Fachkreis Pädagogik der VBG setzt sich für eine christliche Sicht auf Bildung ein. Im Prozess des Lernens kommt der Lehrperson als vertrauenswürdiges Gegenüber eine Schlüsselrolle zu. Sogar der hochgebildete Faust muss sich eingestehen: «Da steh ich nun, ich armer Tor! / Und bin so klug als wie zuvor.» Alles Studieren hat ihm nicht die ersehnte Klugheit gebracht. Sein Beispiel zeigt, dass Wissensvermittlung allein nicht erreichen kann, was mit Bildung erreicht werden soll.

Bildung ist mehr als Wissensvermittlung. Es geht um das Leben und darum, was «die Welt da draussen» mit mir zu tun hat. Ein solches Lernen findet in erster Linie über Beziehungen statt. Die Lehrperson als Gegenüber nimmt somit eine Schlüsselrolle im Bildungsprozess ein. Wir wissen es aus eigener Erfahrung: Wirklich lernen mag man nur von Personen, die man auch als Menschen mag.

Als Fachkreis Pädagogik engagieren wir uns für Menschen in diesem Berufsfeld, weil der Gott der Bibel ein Gott des Lebens ist. An Ostern wurde in eindrücklicher Weise deutlich, wie gross das Ja Gottes zum Leben ist. Er schenkte seiner Schöpfung die Auferstehung. Mit der Überzeugung, dass dieser Schöpfer des Lebens auch weiterhin in der Bildung bedacht und studiert werden soll, engagieren wir uns als Fachkreis. 

Menschen, die in der Bildung arbeiten, können wir den Rücken stärken. Segnungsgottesdienste zum Schulbeginn in den Gemeinden sind dafür wertvoll In diesen Gottesdiensten wird den Lehrpersonen für ihre anspruchsvolle Arbeit Gottes Gegenwart zugesprochen. Wir freuen uns, wenn in vielen Gemeinden diese Arbeit unter den Segen Gottes gestellt wird.

Die ausführlichere Version dieses Blog-Beitrags ist in der Zeitschrift Bausteine Juni 2018 zu lesen. Die Zeitschrift Bausteine kann hier abonniert werden.


11. Juni 2018
Alexander Luginbühl
Themenkreis Konflikte

05. Juni 2018
Alexander Luginbühl
Themenkreis Konflikte

Themenkreis Konflikte - Gerechtigkeit

Konflikte kennen und erleben wir alle – sie gehören zum Menschsein dazu – Konflikte mit unseren Kindern, Eltern, Arbeitskollegen und -kolleginnen, Schulleitern, Schülern,…

Das Thema Konflikte beschäftigt uns auch in der diesjährigen pädagogischen Kurswoche. Monica Kunz, eine erfahrene Konfliktmanagerin und Mediatorin, führt uns in die verschiedenen Facetten des Konfliktmanagements im Kontext Schule ein. Mehr zur pädagogischen Kurswoche gibt es hier.

Konflikte erlebe ich als Gymilehrer auch mit meinen Schülerinnen und Schülern. Ein regelmässig wiederkehrender Konfliktpunkt sind die Absenzen und als Klassenlehrer bin ich das Kontrollorgan, der Richter, welcher über entschuldigte und unentschuldigte Absenzen, das Einhalten der Fristen,… entscheidet. Aus Schülersicht bin ich ein guter Lehrer, wenn ich gerecht bin.

Was meint denn eigentlich Gerechtigkeit? Wikipedia meint dazu: Ein menschliches Verhalten gilt als gerecht, wenn Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt wird. Ich hatte einen Schüler, welcher oft im Unterricht fehlte, meistens mit Migräne, die er „zufällig“ fast immer während den Französisch-Lektionen oder frühmorgens hatte. Der Fall ist klar: ein Schwänzer, der muss hart bestraft werden. Ist das gerecht? Auch wenn er mir jedes Mal versichert, dass er wirklich Migräne hatte?

Ein anderes Beispiel: „Der verlorene Sohn“ aus menschlicher Sicht. Er kehrt, nachdem er sein Erbe verprasst hat, zerlumpt und stinkend zu seinem Vater zurück. Auch hier ist der Fall klar nach Lk 15, 19: Der Sohn spricht: „Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden. Nimm mich als Arbeiter in deinen Dienst.“ Wäre das gerecht?

Wie wir alle wissen, geht das Gleichnis anders aus: der Vater sieht seinen Sohn aus der Ferne, er läuft ihm entgegen, fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Anschliessend gibt er ihm sein schönstes Gewand, einen Ring und sie feiern, dass der Sohn wiedergefunden wurde. So wie der Vater hier auf seinen Sohn zugeht, auch so sehe ich Jesus auf Menschen zugehen: liebevoll, geduldig, sehnend, barmherzig und vergebend.

Ich spreche also meinen Schüler liebevoll auf seine häufigen Migräneattacken an und als er mir versichert, dass er sich dessen bewusst sei und halt oft Migräne habe, so akzeptiere ich im Vertrauen seine Entschuldigung. Ist das gerecht? Oder eine selten fehlende, hilfsbereite, fleissige Schülerin, welche mir das Absenzenbüchlein hinstreckt – 4 Lektionen gefehlt um die Maturarbeit fertig zu machen – klar, Fehlen im Unterricht geht nicht, sie gibt das Schwänzen zu. Ich entschuldige ihre 4 Lektionen nicht und das wird auch im Zeugnis so ersichtlich. Ist das gerecht?

Vielleicht sollte ich noch anfügen… ich habe unter die unentschuldigte Absenz geschrieben: „Danke für ihre Ehrlichkeit, bleiben sie weiterhin so ehrlich.“ Und das wünsche ich uns allen, dass wir liebevoll, geduldig, barmherzig und vergebend allen Menschen begegnen können, gerade auch trotz allen Regeln die es an einer Schule gibt – also gerecht sein können – gerade auch in Konflikten.


23. Mai 2018
Alexander Luginbühl
Christsein,
Pädagogik

Pfingsten - Geburtstag der Kirche

Über Pfingsten war ich mit meiner Familie am Gemeindewochenende unserer Kirche. Eine Aussage der Pfingstpredigt blieb bei mir hängen: "Wir feiern den Geburtstag der Kirche". Nicht dass ich das nicht gewusst hätte, aber Geburtstage - die feiert man eigentlich auch in der Schule. Die Geburtstage der Kinder, den Geburtstag der Schweiz, runde Geburtstage des Dorfes oder der Stadt in der man lebt - Geburtstagen gedenkt man.

Sollte nicht gerade auch in der Schule der Geburtstags der Kirche gefeiert werden?

Ich finde, dass wir mutig den Geburtstag der Kirche im Unterricht besprechen sollen, müssen. Alle geniessen das freie Pfingstwochenende, aber kaum jemand weiss, was an Pfingsten geschehen ist. Daher gehört es zu einer ausgewogenen Bildung zu erfahren, dass die Kirche an Pfingsten Geburtstag hat und dass Gott damals und auch heute den Menschen den Heiligen Geist als Beistand zur Seite gestellt hat und stellt.


14. Mai 2018
Alexander Luginbühl
Pädagogik

Holunderblüten

Die letzten Tage durfte ich mit meiner Frau die Sonne in unserem Garten geniessen. Alles wächst – das gewollte und ungewollte Kraut – wunderbar. Die verschiedenen Kräuter, Blumen, die noch kleinen und grünen Früchte, die summenden Bienen – wilde und gezähmte, die Schöpfung in ihrer Pracht, die durchdringende Lebens- und Wachstumskraft,… all das durften wir erleben. Und dann waren da noch die ersten Holunderblüten.

Holunderblüten sind etwas Wunderbares. Sie riechen gut und damit kann ich die verschiedensten Produkte herstellen: Holunderblütensirup, Holunderblüten-Erdbeer-Konfi, Holunderblütenzucker, Holunderblütensekt...

Ein Stück blühende Natur, die man sich auch ins Schulzimmer holen kann. Holunder findet sich fast an jedem Waldrand. Warum sammelst du nicht auf einem Frühlingsspaziergang mit deinen Schülerinnen und Schülern ein paar Blütendolden und machst mit ihnen Holunderblütensirup?

Rezept Holunderblütensirup:

  • 4-5 Holunderblütendolden, gut ausschütteln und waschen, in Gefäss mit 2 L Inhalt geben
  • 1 Liter Wasser aufkochen und über die Dolden giessen
  • 500 g Zucker, 25 g Zitronensäure (in Drogerien erhältlich) zugeben, gut umrühren
  • 1-2 Tage zugedeckt stehen lassen, durch eine Gaze filtrieren
  • 1 kg Zucker zugeben, aufkochen oder bis mind. 80°C erhitzen
  • randvoll in heisse Flaschen füllen und sofort verschliessen

07. Mai 2018
Matthias Kägi
Christsein

Christ = schwach?

Immer wieder höre ich von Christen - Lehrpersonen und anderen - dass sie sich am Arbeitsplatz ducken. Besonders wenn man sich in einem „aufgeklärten“ Umfeld bewegt, hört man hie und da Bemerkungen über die „rückständigen“, „erzkonservativen“, „intoleranten“,„fundamentalistischen“ „Fischli-Christen“. Oft hauen ja auch die Medien in die gleiche Kerbe. Als Christ fühlt man sich dann fehl am Platz. Man sagt lieber nichts - aus Angst, man mache es nur schlimmer oder man sei diesen Giftspritzen unterlegen.

Aber im Nachhinein fühlt man: Das Sich-Verstecken war eigentlich eine schwache Strategie. Warum sind wir nicht gelassen und gewitzt genug, um in solchen Situationen ein positives Zeichen für den christlichen Glauben zu setzen? Aber wir können lernen, anders zu reagieren. Man muss sich ein bisschen Zeit nehmen, um sich auf diese Situationen vorzubereiten.

Wir haben in Zürich eine „Apolopraxis“-Gruppe, wo wir uns vier mal pro Jahr von 18.30 bis 20.00 treffen. „Apologetik“ ist die Verteidigung des Glaubens, und wir üben anhand von realen Situationen, wie man gut reagieren kann. Wir schauen die rechtlichen, sozialen, weltanschaulichen und psychologischen Momente an und spielen dann die Situation als Rollenspiel. Es macht Spass und ist lehrreich! Falls Du interessiert bist, melde dich doch bei matthias.kaegi(at)vbg.net.


02. Mai 2018
Alexander Luginbühl
Christsein,
Pädagogik

Dein Reich komme

In der Predigt, welche ich letzten Sonntag hören durfte, ging es um das Reich Gottes. Ein Punkt daraus hat mich in den letzten Tagen, bei meinen stillen Spaziergängen mit unserem Hund, beschäftigt. Wir leben in einer Zwischenzeit, im „Schon-Jetzt“ und „Noch-Nicht“. Es überlagern sich die weltlichen Systeme und das Reich Gottes. Wir befinden uns in einem Spannungsfeld zwischen Himmel und Erde. Mir kam rasch das Lied „Zwischen Himmel und Erde“ in den Sinn. Da heisst es: „Mitten in dieser Welt, doch nicht von dieser Welt, wir gehören zu dir und doch sind wir noch hier“.

Genau so sollten wir unterrichten. Dieses „Schon-Jetzt“ und „Noch-Nicht“ beschreibt wunderbar die Neutralität, mit welcher ich als Lehrperson auftrete. Das Wort „neutral“ kommt vom Lateinischen „ne-utrum“ und bedeutet „keines von beiden“. Als Christen sind wir nicht nur „mitten in dieser Welt“, aber auch nicht nur „nicht von dieser Welt“. Jede Medaille hat zwei Seiten und nur zwei Seiten machen eine Medaille. Wenn ich nur eine Seite betrachte, so fehlt die Sicht auf die andere Seite. Wenn ich im Unterricht nur dem hier, dem weltlichen System, den Naturwissenschaften Raum gebe, also religiös abstinent lehre, so fehlt die eine Hälfte. Neutralität heisst nicht Abstinenz, sondern bedeutet in Ausgewogenheit den Kindern und Jugendlichen zu begegnen. Dazu gehört auch der Religionsunterricht, das Vorstellen der Religionen, aber auch das Vermitteln religiöser Traditionen und Werte.

Ich lebe im Spannungsfeld zwischen Himmel und Erde, gerade auch in der Schule. Und gerade durch das „Mitten in dieser Welt, doch nicht von dieser Welt“ sind wir als Christen für einen ausgewogenen, unparteiischen, neutralen Unterricht prädestiniert.

Was meinst du dazu?

Dieser Text erscheint auch im Newsletter der Fachkreises Pädagogik. Falls du mehr über den Newsletter wissen willst, so klicke hier!


24. April 2018
Alexander Luginbühl
Pädagogik,
Christsein

Bildung kann nie wertneutral sein – Interview mit Rico Bossard im idea Spektrum

„Schulen versuchen in religiösen Belangen heute möglichst neutral zu sein. Was das im praktischen Schulalltag heisst, ist oft nicht klar. Rico Bossard von der VBG sieht die Gefahr, dass Religion ganz von der Schule verschwindet. Von Christof Bauernfeind“ (Quelle: idea Spektrum 18. April 2018)

Einige Kernpunkte des Interviews:

  • Schulen sollten religiös neutral sein, aber nicht religiös abstinent. Neutralität bedeutet nicht die Abwesenheit von Religion.
  • Religiöse Bildung soll den Zugang zu Religion ermöglichen, so wie Musikunterricht das musikalische Empfinden fördert.
  • Man interpretiert heute Neutralität oft so, dass man nicht über Werte redet. Bildung kann aber nicht wertneutral sein.
  • Immer mehr Menschen fehlt der Zugang zu Religion. Man braucht aber keine Angst vor Religion zu haben.

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