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16. Juli 2018
Gast
Pädagogik,
Christsein

Gottes Wirken an den Grenzen

Was wir als «christliche Werte» bezeichnen, ist wichtig. Aber diese Werte sind weder einmalig noch ursprünglich christlich. Christliche Moral ist in sehr vielen Bereichen deckungsgleich mit der säkulären Moral, einer 'best practice'-Moral. In der Pädagogik besteht meines Erachtens eine beinahe totale Deckungsgleichheit. Nicht das Handeln unterscheidet den christlichen Pädagogen von einem nicht-christlichen Pädagogen, sondern die Reflexion und die Begründung des Handelns.

Christliche Pädagogik ist mit sehr vielen anderen Konzepten vereinbar. Man kann als Christ Anhänger einer Demokratischen Erziehung oder einer Autoritären Erziehung sein. Egal, wo der Pädagoge seinen Schülern Grenzen setzt: Gott möchte genau dort an ihm wirken, wo seine Grenzen an Grenzen kommen. Weil der christliche Pädagoge bereit ist, sich selbst und sein Gegenüber als Schatten Gottes zu sehen, ist sein pädagogisches Handeln Ausdruck seines Gottesbildes. Und seine Arbeit ist eine ständige Arbeit an seinem Gottesbild. In seinem pädagogischen Wirken schwingt die Erwartung mit, dass Gott durch das Unterrichtsgeschehen am Gottesbild des Pädagogen arbeitet.

Einige Beispiele, wo Schatten aus meinem Unterrichtsgeschehen mich auf eine höhere Realität verweisen:

  • Fragen irgendwo zwischen «Darf ich aufs Klo?» und «Darf ich aufs Gymnasium?» muss ich täglich beantworten. Mit einem klaren «Ja» oder «Nein». Obwohl sich die verschiedenen Argumente knapp die Waage halten, treffe ich eine Entscheidung. Und ich bin darauf angewiesen, dass meine Schüler meine Entscheidungen akzeptieren – nicht, weil man die Sache nicht anders sehen könnte, sondern weil ICH sie so sehe. Auch Gott ist sich dessen bewusst, dass andere Sichtweisen stimmig wären und seine Entscheidungsgrundlagen manchmal dürftig sind. Und er ist darauf angewiesen, dass seine Entscheidungen gut sind, nicht weil sie es aus sich wären, sondern weil sie SEINE Entscheidungen sind.
  • Ich verursache meinen Schülern eine Menge Leid. Meine Aufgaben fordern sie. Meine Bewertungen verunsichern sie, meine Massnahmen quälen sie. Auf unterschiedlichste Art und Weise hinterfragen die Schüler mein Handeln immer wieder. Oder die Eltern. Diese Schmerzen muss ich vor ihnen verantworten. Zwar habe ich ein grundsätzliches Ja zu den mühlenartigen Funktionen der Schule (Leistung, Beurteilung, Strafen, Selektion…) aber der konkrete Fall rüttelt mich auf. Gottes Rechtfertigungszwang im Angesicht des Leides stelle ich mir ähnlich vor. Und in dieser Lage sind wir Schicksalsgenossen.
  • Genau gleich auch im Dilemma zwischen Gerechtigkeit und Individualisierung: Meine Schüler haben unterschiedliche Bedürfnisse. Wenn ich auf diese eingehe, werde ich notwendig ungerecht. Wenn ich nicht auf sie eingehe, bin ich auch ungerecht, weil ich die Ungerechtigkeiten der Natur tatenlos hinnehme. Gott erklärt sich mir in meinem Ringen nach Gerechtigkeit im Klassenzimmer.
  • Lange habe ich mir von einer christlichen Pädagogik erhofft, dass sie mich eine Atmosphäre der Versöhnung schaffen lässt und folglich an der «Harmonie» erkannt werden kann. Dabei habe ich verkannt, dass Harmonie stets von allen Beteiligten abhängt. Wenn es Gott selbst offenbar nicht gelingt, mit allen Menschen in Harmonie zu leben, weshalb sollte ich meine Erfolge und das «christliche» an meinem Unterricht unter diesem Gesichtspunkt messen?

Weil Gott mit den Menschen scheitert, darf ich mit meinen Schülern scheitern. Und dabei scheitert meine «christliche Pädagogik» nicht, sondern erweist sich als tragend. In meinem Klassenzimmer ringt Gott mir Hochachtung vor sich und seiner Leistung an mir ab. Die Reflexion meines Unterrichts wird zum Lobpreis.

Danilo A., Musiklehrer und Regionalleiter Mittelland des VBG-Bereichs Schule


25. Juni 2018
Gast
Pädagogik,
Christsein

Das Gegenüber als Schatten Gottes

In Platons Höhlengleichnis sind Menschen in einer Höhle gefangen und können ausschliesslich auf eine Wand blicken, an der sich die Schatten der hinter ihnen liegenden Welt abzeichnen. Diese Schatten an der Wand sind die einzige wahrnehmbare Realität für sie. Auf die Vorstellung, dass es mehr gibt als diese Schatten, können sie sich schwer einlassen. Platon spekuliert mit diesem Gleichnis, dass es eine «Ideenwelt» gibt, die Quelle der unmittelbar erfahrbaren Welt ist, und über sie hinausgeht. Die Lebensaufgabe des Menschen ist es, seine beschränkte Sicht auf die blossen Schatten zu erweitern und dann andere aufzuklären.

Eine ähnliche Vorstellung findet sich auch im christlich-jüdischen Weltbild. 3 Beispiele:

  • Die Idee der Gott-Ebenbildlichkeit in Genesis legt dem Menschen nahe, sich selbst als Abbild einer höherdimensionierten Realität zu sehen. Menschen sind einander Schatten Gottes.
  • Paulus schreibt in 1. Korinther 13.12 «Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht…». Dass unsere Erkenntnis Stu?ckwerk ist, liegt nicht an unserer Wahrnehmung, sondern daran, dass die Wirklichkeit uns nur im Spiegel, im Abbild zugänglich ist.
  • Jesus meint ähnliches: «Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben, jenen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil, damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen und hörend hören und nicht verstehen» (Markus 4.11). Das Geheimnis des Reiches Gottes ist den Jüngern gegeben, da sie in Jesus nun nicht mehr bloss einen Schatten Gottes vor sich haben, sondern Gott selbst. Den Menschen aller anderen Orte und Zeiten erschliesst sich das Geheimnis Gottes in Gleichnissen. Jesus ermutigt uns, unseren Alltag auf Gleichnisse hin zu durchsuchen: Der Hirte im Umgang mit seinen Schafen, der Banker im Umgang mit einem Schuldner, der Pädagoge im Umgang mit seinen Schülern.

Christliche Pädagogik meint in erster Linie das Bewusstsein des Pädagogen für eine den zwischenmenschlichen Beziehungen zugrunde liegende geistliche Realität. Und die erste Absicht einer christlichen Pädagogik ist nicht ein positiver Output ins Klassenzimmer, sondern ein positiver Output für die eigene Spiritualität. Der Glaube ist nicht für den Alltag da, sondern der Alltag für den Glauben.

Danilo A., Musiklehrer und Regionalleiter Mittelland des VBG-Bereichs Schule


26. März 2018
Gast
PH,
Alltag

Mehr Fragen als Antworten

Als Christ ist man an der PH keineswegs alleine, es fühlt sich jedoch nicht so an, als wären wir gemeinsam auf dem Weg. Es sind nicht Mit-Christen, sondern vielmehr Mit-Studenten. Freunde und Bekannte haben wir und sind wir, doch mehr nicht.

Und das spiegelt sich auch in unserem Studien-verständnis. An der PH gibt es zwar Religions-unterricht, doch ironischerweise scheint es dabei für echte Religion keinen Platz zu haben. Uns wird Neutralität gepredigt, vorgelebt und erwartet, dass wir sie auch weiterführen. Ich würde gerne sagen, dass es mich nicht betrifft, dass ich anders bin, doch ich kann es nicht. Auch ich fühle mich an der PH oft nicht wirklich als Christ, sondern mehr als Student. Wir sind uns niemals sicher, was von uns als „religiösen Menschen“ hier erwartet wird und es fühlt sich so an, als wüssten alle anderen auch nicht wirklich, wie sie mit uns umzugehen haben.

Wenn überall von Toleranz gesprochen wird und gleichzeitig Neutralität herrschen muss, scheint jeder Kommentar eine Gratwanderung. Diese Unsicherheit bezieht sich auch auf den Beruf. Einige von uns Christen sehen den Lehrerberuf vielleicht mehr als Berufung und nicht nur als Beruf. Doch wie viel Christ darf ich eigentlich sein?

Ich repräsentiere einen Staat, in welchem Neutralität schon sehr lange gross geschrieben wird und nun bin ich motiviert meiner Berufung in ein Schulzimmer zu folgen, muss den Glauben jedoch an der Türe stehen lassen? 

Wie bei vielen anderen pädagogischen Themen haben wir an der PH die Chance über diese Gedanken zu sprechen. Doch dabei bleibt meist es auch. Christliche Fragen in der Gebetsgruppe zu besprechen ist schön, doch es gibt häufig genauso wenig Antworten, was denn nun richtig ist, wie in den Studienmodulen zu anderen Themen. Ich hatte schon lange mehr Fragen als Antworten, doch ich hoffte diese an der PH zufriedenstellen zu können. Nun befürchte ich, dies wird nie der Fall sein.

Simeon V., PH-Student, 1. Studienjahr


19. März 2018
Gast
Alltag,
Pädagogik

Eusi Wält isch volle Wunder

Wenn ich jeweils mit meinen DrittkässlerInnen am Thema Schöpfungsgeschichte(n) arbeite, dann liegt der Fokus auf dem Staunen. «Eusi Wält isch volle Wunder, lueg doch nume id Natur, Gott de Schöpfer steckt dehinder, überall finsch sini Spur»; so heisst der Beginn des Liedes, welches wir als Einstieg in dieses faszinierende Thema zusammen lernen und welches die Kinder motiviert, den Wundern dieser Welt nachzuspüren.

Beispiel Wasser: Wir schauen uns bezaubernde Fotos von Wasser und seinen Erscheinungsformen an. Nur schon das Wunder der Schneeflocke enthält genug Inspiration für eine längere Sequenz. Leuchtende Kinderaugen, ehrfürchtiges Staunen.

Beispiel Berge: Ich zeige packende Kurzfilme von der Majestät, Wildheit und Schönheit der Berge. Die Aufnahmen, untermalt von passender Musik, ziehen die Kinder sichtlich in ihren Bann.

Beispiel Mensch: Ich konfrontiere die Kinder mit der Tatsache, dass sie in biologischer Hinsicht aus zwei winzig kleinen Zellen, welche bereits von Beginn an die gesamte Information der weiteren menschlichen Entwicklung enthalten, entstanden sind. Ich erkläre ihnen auch, dass man mit keinem noch so intelligenten Computer einen Menschen «bauen» kann.

Erkenntnis und Fazit: Hinter jedem Menschen steht letztlich ein grosses Geheimnis, eine schöpferische Intelligenz, ein genialer Künstler. Immer wieder mache ich die bewegende Erfahrung, dass dieses Eintauchen in die Welt des Staunens bei den Kindern Herzen und Sinne für die Dimension des Vertrauens und Glaubens öffnet.

Jürg S., Unterstufenlehrer, 30 Jahre Berufserfahrung


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