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Themenkreis Konflikte - Gerechtigkeit

Avatar of Alexander Luginbühl Alexander Luginbühl - 05. Juni 2018 - Themenkreis Konflikte

Konflikte kennen und erleben wir alle – sie gehören zum Menschsein dazu – Konflikte mit unseren Kindern, Eltern, Arbeitskollegen und -kolleginnen, Schulleitern, Schülern,…

Das Thema Konflikte beschäftigt uns auch in der diesjährigen pädagogischen Kurswoche. Monica Kunz, eine erfahrene Konfliktmanagerin und Mediatorin, führt uns in die verschiedenen Facetten des Konfliktmanagements im Kontext Schule ein. Mehr zur pädagogischen Kurswoche gibt es hier.

Konflikte erlebe ich als Gymilehrer auch mit meinen Schülerinnen und Schülern. Ein regelmässig wiederkehrender Konfliktpunkt sind die Absenzen und als Klassenlehrer bin ich das Kontrollorgan, der Richter, welcher über entschuldigte und unentschuldigte Absenzen, das Einhalten der Fristen,… entscheidet. Aus Schülersicht bin ich ein guter Lehrer, wenn ich gerecht bin.

Was meint denn eigentlich Gerechtigkeit? Wikipedia meint dazu: Ein menschliches Verhalten gilt als gerecht, wenn Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt wird. Ich hatte einen Schüler, welcher oft im Unterricht fehlte, meistens mit Migräne, die er „zufällig“ fast immer während den Französisch-Lektionen oder frühmorgens hatte. Der Fall ist klar: ein Schwänzer, der muss hart bestraft werden. Ist das gerecht? Auch wenn er mir jedes Mal versichert, dass er wirklich Migräne hatte?

Ein anderes Beispiel: „Der verlorene Sohn“ aus menschlicher Sicht. Er kehrt, nachdem er sein Erbe verprasst hat, zerlumpt und stinkend zu seinem Vater zurück. Auch hier ist der Fall klar nach Lk 15, 19: Der Sohn spricht: „Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden. Nimm mich als Arbeiter in deinen Dienst.“ Wäre das gerecht?

Wie wir alle wissen, geht das Gleichnis anders aus: der Vater sieht seinen Sohn aus der Ferne, er läuft ihm entgegen, fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Anschliessend gibt er ihm sein schönstes Gewand, einen Ring und sie feiern, dass der Sohn wiedergefunden wurde. So wie der Vater hier auf seinen Sohn zugeht, auch so sehe ich Jesus auf Menschen zugehen: liebevoll, geduldig, sehnend, barmherzig und vergebend.

Ich spreche also meinen Schüler liebevoll auf seine häufigen Migräneattacken an und als er mir versichert, dass er sich dessen bewusst sei und halt oft Migräne habe, so akzeptiere ich im Vertrauen seine Entschuldigung. Ist das gerecht? Oder eine selten fehlende, hilfsbereite, fleissige Schülerin, welche mir das Absenzenbüchlein hinstreckt – 4 Lektionen gefehlt um die Maturarbeit fertig zu machen – klar, Fehlen im Unterricht geht nicht, sie gibt das Schwänzen zu. Ich entschuldige ihre 4 Lektionen nicht und das wird auch im Zeugnis so ersichtlich. Ist das gerecht?

Vielleicht sollte ich noch anfügen… ich habe unter die unentschuldigte Absenz geschrieben: „Danke für ihre Ehrlichkeit, bleiben sie weiterhin so ehrlich.“ Und das wünsche ich uns allen, dass wir liebevoll, geduldig, barmherzig und vergebend allen Menschen begegnen können, gerade auch trotz allen Regeln die es an einer Schule gibt – also gerecht sein können – gerade auch in Konflikten.

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